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Tropfsenf auf eine Forschungsreise

Greiz

2. Station “Heimat schmeckt mir!”

Die ganze Stadt ist Bühne !

Der Container steht im Schlosspark vor dem Unteren Schloss in Greiz. Da ist nichts los, weil unter meinen Füßen, die auf einer Brücke stehen, viel los ist. Die Elster fließt weg, der Parkplatz erhitzt sich bis zur Unerträglichkeit leer und da sind kleine und große Kinder, die konzentriert Bilder auf den Asphalt malen.
Greiz, eine schöne und irgendwie doch trostlose und abgelebte Stadt. Ich fühle mich als Bürgerin eines neuen Bundeslandes sofort sehr wohl. Ich verbinde die Tristesse mit Heimat. Paradoxerweise stärkt die Mischung aus Langeweile, stiller Schönheit, verhaltener Freundlichkeit und hartnäckigem Engagement mein inneres Gleichgewicht, weiß ich ja doch nicht, wohin mich meine Reise zwischen die dichten Berge geführt hat.
Ein Journalist unterhält sich mit Martin Heesch, der das Projekt ausgehend vom Greizer Theaterherbst betreut. Im Schatten eines Baumes sitzen wir und beobachten die Mittagshitze zwei Meter neben uns. Während ich Fotos mache, packt die Workshopleiterin Julia Kopa Kreidebomben aus. Sofort kommt Bewegung in die Luftmassen und der Parkplatz wird komplett mit Punkten übersät. Jetzt ist nicht mehr sicher, ob es wirklich ein Parkplatz ist !
Abends sind viele Leute in den Schlosspark gekommen. Unterschiedliches wird gezeigt : Filme, Hörstücke, Bilder und Texte. Alle sitzen oder stehen oder gehen mit Essen und Getränk in der Hand, Picknicktaschen stehen überall herum.
Es beginnen die Lesungen. Kurze Sequenzen werden zu pointierten Kurzbeschreibungen von „Heimat“. Jede und jeder scheint irgendwie fremd zu sein, jede und jeder hat etwas sehr eigenartiges. Ich empfinde Dankbarkeit, die Gruppe erleben zu dürfen. Marco sitzt mit der Gitarre hinter den Mikros und spielt Lieder, die er sonst hinter geschlossenen Türen für die Alten im betreuten Wohnen spielt. Er ist der Geheimnishüter der Geschichten von früher und den Gefühlen von heute. Wer träumt das Morgen ? Wir lachen viel und naschen Schokolade.
Vielen Dank Theater Herbst,
Anna.