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Atmungsaktiv in eine Forschungsreise

Steinbach/Bad Liebenstein

3.Station “Heimatdialekt”

Der dritte Standort unserer Forschungsreise liegt am Südhang des Thüringer Waldes, mit Blick in das Werratal und mit Weitblick in die Rhön. Steinbach, ein Ortsteil von Bad Liebenstein ist ein typisches Taldorf, mit engen Gassen, schrumpeligen Häusern und viele Industriebrachen. Steinbach ist erdig, rau. Seit Jahrhunderten bestimmte der Bergbau den Alltag. Hier spricht man Dialekt. Steinbach war der wichtigste Standort der Messer- und Besteckindustrie. Auf den Steinbacher Schanzen sprangen in den 1960iger Jahren die Helden des Skispringens (Recknagel, Glass, Lesser). Steinbacher sind Schnää-​Builler und lieben das Hiuller Wang-Wang.
Und heute ? Etwas verschlafen, überfordert, aber mit Programm : „Unser Dorf hat Zukunft“.
Bergbau und Industrie ist vorbei. Dafür gibt es jährlich das Glasbachrennen.
Oh, „Heimatgefühle“, so leicht zu finden ? So farbig ? Schöngefärbt ?
Unsere angekündigte Forschungsreise nach Steinbach entwickelte sich zu einer Kampfansage. Hier wurde es politisch. Schon nach der ersten Pressemitteilung wurde in den sozialen Netzwerken unser Projekt als „steuerfinanzierte, linke Propaganda“ bekannt gemacht.
Heimatgefühle ! So viel Missverstandenes ! Dabei legten wir den Forschercontainer ganz sanft auf seinen Platz. Direkt am Marktplatz. Unaufdringlich auch unsere Fragen : “Was ist für dich Heimat?“, „Wo findest du Heimat?“, „Was macht Heimat mit dir?“.
Es ist halt immer eine Frage der Perspektive !

Forschertag 1
Heimatstunden mit jungen Menschen.
In Zusammenarbeit mit der Demokratiewerkstatt Wartburgkreis.
Drei Jugendliche kamen. Das war enttäuschend. Ihre Geschichten und Wünsche waren grandios. Sie erzählten über ihre Lieblingsplätze und ihre Beziehung zu diesem Ort. Und sie wünschten sich viel : einen Ort, wo man als Jugendlicher unbeaufsichtigt sein darf !

Forschertag 2
Kinder. Heimatgefühle und Kinder ist gar nicht so einfach. Sie sammeln ja gerade Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke, um später für sich ein Heimatbegriff zu formen.
Dennoch waren reichlich Kinder da. Sie sammlten Geräusche, erfanden Geschichten (zum Beispiel „Von einem großen dünnen Mann, der über die Wiese lief…“) und beklebten unseren Forschungsraum mit auf Papier gebrachten Eigensinn.

Forschertag 3
Heimatklänge. Wir hatten Großes vor. Wir haben regionale Musiker eingeladen, um für die Steinbacher einen wolliglauschigen Sommerabend mit heimatlichen Geschichten und Klängen zu organisieren. Aber alle Musiker waren in der wohlverdienten Sommerpause.
Dann, liebe Steinbacher bringt eure Instrumente mit ! Singt wilde Lieder und trinkfeste Sprüche. Es gibt reichlich Liedgut von und über die Steinbacher. Das Lied von den „Schnääbuillern“ ist die heimliche heimatliche Hymne.
Es wurde doch ein wolliglauschiger Sommerabend mit heimatlichen Geschichten und Klängen und das Zusammenerleben mit spontanen Menschen und Instrumenten entsprach ja auch mehr einer professionellen Feldforschung.

Forschertag 4
„Ich packe meinen Koffer…“
Unser Höhepunkt der Feldforschung : einen Heimatnachmittag, mit allen drei Ortschroniken des Altensteiner Oberlandes. Wir haben alle Steinbacher, Schweinaer und Liebensteiner eingeladen, ihre Lieblingsdinge mitzubringen und die Geschichten dazu zu erzählen.
Doch viele heimatfreundliche Menschen kamen nicht. Auch der Tuc Tuc Fahrer brachte seine Gäste nach oder vor einen BUGA Besuch nicht vorbei. Obwohl er Landtagsabgeordneter ist, Steinbacher und ein wichtigen Steinbacher Namen trägt. Auch der Bürgermeister war nicht da, obwohl er die Jugendkunstschulen als wertvolle Kultureinrichtung beschreibt. Im Wahljahr werden eben kleine, lebhafte Funken zu politischen Gewichtigkeiten.
Doch einige Menschen fanden den Weg zu unseren Forschercontainer, zum Teil auch mit Lieblingsdingen. Die Vereine sorgten für Kuchen und Kaffee. Die Heimatstube stellten einige heimliche heimatliche Objekte aus und die Ortschornisten präsentierten ihre neuen Entdeckungen. Wolfgang Malek vom Natur- und Heimatfreunde Bad Liebenstein e.V. lass einige Geschichten aus seinem Buch über Liebensteiner Häuser.

Fazit : Heimatgefühle ? Sie werden hier nach außen getragen, es wird für sie gekämpft, über sie gesungen. Jeder verteidigt seine Heimatgefühlsräume.
Doch gemeinsam singen sie den Rötzergig, das Schnää-​Buillerlied und dann ist die gemeinsame Welt wieder in Ordnung.
Es ist halt alles eine Frage der Perspektive !

Übergabe Forscherraum in eine Provinz.
Provinz (von lateinisch provincia) ist eine auf die Verwaltungsterminologie des antiken Rom zurückgehende Bezeichnung.
Aber Umgangssprachlich bezeichnet ‚Provinz‘ bzw. provinziell auch ein Kulturraum, mit wenig kulturellen Angeboten oder in der allgemein kein bedeutendes gesellschaftliches Leben stattfindet.
Ich würde der ersten Begriffsbedeutung zustimmen. Die zweite Behauptung würde ich gerne widerlegen.
Heimat ist eine Frage der Perspektive.

Organisation : Ines Britz (Holzbildhaueri), Tim Zeidler (angehender Lehrer, Philosoph) und Jörg Wagner (Kulturvermittler)

Projektpartner : Heimatstube Steinbach, Ortschronik Schweina, Natur- und Heimatfreunde Bad Liebenstein e.V., Demokratiewerkstatt Wartburgkreis und zahlreiche engagierte Privatpersonen